Ein Blick in den Osten – Erfahrungen aus der Anhaltinischen Landeskirche
Die Kirchen in den neuen Bundesländern leben diese künftige Struktur bereits seit vielen Jahren und haben sich dementsprechend aufgestellt. Wir freuen uns daher außerordentlich, dass es gelungen ist, den ehemaligen Kirchenpräsidenten der Anhaltinischen Landeskirche, Herrn Joachim Liebig aus Dessau, für einen Vortrag in unserer Gemeinde zu gewinnen. In den etwa 15 Jahren seiner Amtszeit (2009–2024) konnte er viele wertvolle Erfahrungen sammeln, mit denen wir uns als Gemeinden in den alten Bundesländern auseinandersetzen sollten.
Zehn Thesen zur Zukunft der Kirche
Herr Liebig hat für seinen Vortrag seine Erfahrungen in zehn Thesen formuliert, die er in seinem Vortrag erläutern wird:
- Die mit der Weimarer Reichsverfassung eingeführte Staatskongruenz verfasster Kirche wird keine Zukunft haben.
- Öffentlich-rechtliche Dienstverhältnisse werden schrittweise durch privatrechtliche ersetzt.
- Die Basisfinanzierung durch „Kirchensteuern“ wird durch ein anderes System ersetzt werden müssen, da die Plausibilität in einer hochindividualisierten Gesellschaft massiv schwindet.
- Der systemische Dreischritt Bewegung (Leben Jesu bis Pfingsten und frühe Kirche) – Organisation (Nachwahl eines Apostels, Wahl von Diakonen) – Institution („Konstantinische Wende“) wird zugunsten von Elementen der Bewegung umgestaltet werden.
- Die durchweg sehr professionell (teilweise unter Übernahme von Elementen aus der Unternehmensführung) gestalteten missionarischen Impulse der jüngeren Geschichte sind weitgehend gescheitert. Versuch und Irrtum scheinen den notwendigen Prozessen angemessener zu sein.
- Kirchengebäude sind eine steingewordene Präsenz des Glaubens. Umnutzungen sind nach Kräften zu vermeiden. Eine Sicherung der Bausubstanz und Schließung des Gebäudes zur Nutzung durch zukünftige Generationen ist eine Alternative.
- Zu den Kernberufsgruppen der Verkündigung gehören neben dem Pfarrdienst die Kirchenmusik, die Gemeindepädagogik, die Gemeindediakonie (nicht zu verwechseln mit der Diakoniestation, deren Arbeit nicht überschätzt werden kann) und die Gemeindeverwaltung. Die jeweilige Rollenverteilung ist eine Aufgabe eigenen Gewichts.
- Die Einzelparochie mit eigener Geschichte hat ihre fortdauernde Existenzberechtigung. Die Aufgaben für die unter 7. aufgeführten Berufsgruppen müssen jedoch mehrere sinnvoll zusammenarbeitende Parochien umfassen. Das numerische Kriterium nach Gemeindegliederzahlen ist dabei nur ein Kriterium.
- Gemeindevorstände sind primär geistlich mitverantwortlich. Nach entsprechender Ausbildung bereichern sie die Angebote in den Parochien um kleinteilige Formen wie Hauskreise, Andachten etc. Der vermutete Rollenkonflikt mit den Mitarbeitenden unter 7. ist denkbar, aber nicht unauflöslich.
- Veränderungen unter fiskalischem Druck sind vermutlich zum Scheitern verurteilt. Ohne Leidensdruck jedoch bleibt das Beharrungsvermögen dominant.
Kommen Sie und diskutieren Sie mit!
Wir laden Sie herzlich ein, diesen spannenden Abend mitzuerleben und gemeinsam über die Zukunft unserer Gemeinde nachzudenken. Wir freuen uns auf Sie!
22. April 2026
19:00 Uhr
Ev. Gemeindehaus Liblar, Schlunkweg 52


Text: APK
Foto(s): APK
Der Beitrag Die Kirche im Dorf lassen – Wie sieht die Zukunft unserer Gemeinde aus? – Ein Vortrag erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.
