Dank, Rück- und Ausblicke, viele emotionale Momente und reichlich Musik: Mit der Verabschiedung von Pfarrer Uwe Rescheleit im März endete nach 23 Jahren ein längeres Kapitel der Evangelischen Kirchengemeinde Köln Niehl-Riehl. Der Seelsorger zieht für seine verbleibenden Dienstjahre mit seiner Familie nach Hamburg.
Der von Assessorin Miriam Haseleu, Pfarrerin Anna-Maari Tölle, dem Konfi-Team sowie von Kantor Gerhard de Buhr und weiteren Musizierenden mitgestaltete Gottesdienst in der dicht besetzten Stephanuskirche war von großer Wertschätzung der Gemeinde gegenüber dem scheidenden Pfarrer geprägt. Dieser wiederum bedankte sich mehrfach für viele gute Jahre in Riehl und Niehl. „Ich bin beschenkt durch euren Rat und eure Tat, durch euren reichen Beistand und eure Fürbitte, durch konkrete Hilfe und solidarisches Eintreten für meine Arbeit und meine Art.“ Einen riesengroßen Dank richtete er an seine Frau und Kinder, die gesamte Familie, Freundinnen und Freunde sowie die Kolleginnen und Kollegen im Pfarramt. Diese hätten, „wenn es eng wurde, einen kleinen Engel auf meiner Schulter sitzen lassen. Ich liebe diesen Beruf.“
„So lasst uns hinausgehen und die Schmach Jesu tragen, denn wir haben keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ – an diesem Wort aus dem Hebräerbrief orientierte Rescheleit seine Predigt. Darin sparte er nicht Zweifel aus, ob er diesen Wechsel in den Norden überhaupt hinbekomme. „Ja, klar“, habe ihn ein Berater ermutigt. „Du bist doch kein Einzelfall. Die Gemeinde bleibt, der Pfarrer geht.“ Rescheleit sprach immer wieder davon und von der Notwendigkeit eines roten Fadens. „Unser gemeinsamer Weg geht zu Ende. Aber der Weg der Gemeinde geht weiter.“
Er habe es 2003 als seine Aufgabe gesehen, die Aufarbeitung der Gemeindehistorie, insbesondere der Geschichte der Kreuzkapelle im Nationalsozialismus, mit den ins Haus stehenden notwendigen Umstrukturierungen angesichts einer sich schnell verändernden Gesamtlage zusammenzuführen. „Das Verfolgen historischer Linien unserer Herkunft ist nämlich nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des heiligen Feuers“, zitierte er den jüdischen Komponisten Gustav Mahler.
Der Pfarrer ging ein auf die Freundschaft und das gemeinsame Forschen in alle Richtungen mit der Jüdischen Liberalen Gemeinde Gescher LaMassoret. Er brachte die Gründung des Runden Tisches und große Feste auch mit Geflüchteten aus dem Iran in Erinnerung. Immer wieder habe die Gemeinde vereinzelt Kirchenasyl in der Tradition des Wanderasyls im Kirchenkreis Köln-Mitte geboten und kurdische Familien im Gemeindehaus in der Brehmstraße untergebracht.
„Wisst ihr, was ich von euch gelernt habe: Ihr könnt so super zuhören“

Rescheleit berichtete von der bereichernden Arbeit mit Konfirmandinnen, Konfirmanden sowie den Teamerinnen und Teamern. „Ich bin so froh, dass ich mit euch so viel Zeit verbringen durfte. Wisst ihr, was ich von euch gelernt habe: Ihr könnt so super zuhören. Und ihr könnt so klasse sprechen, ganz ehrlich sprecht ihr, kurze Worte, intensiv, ohne Filter.“ Jeder einzelne von ihnen sei die Lebenslinie der Gemeinde für die Zukunft. „Ohne euch würde sie einfach abbrechen.“
Biografisch sei er sein ganzes Leben tief sensibilisiert für Fragen nach Krieg und Frieden, so Rescheleit. Er erinnerte an das Wirken von Pfarrer Friedrich (Fritz) Wilhelm Schellenburg (1909-2003) in Nippes, Riehl und andernorts. Dieser habe sich in Barmen der Bekennenden Kirche angeschlossen und sei illegal, nicht kirchenamtlich, nach Köln gekommen. Ganz nah sei er an den Menschen und an deren Not gewesen. Auf seinen Wegen habe er ein kleines Abendmahlsgeschirr mitgeführt. Auf dieses stieß Rescheleit beim Amtsantritt in der Sakristei der Kreuzkapelle. Im Gottesdienst konnten die Besuchenden es in die Hand nehmen.
„Ich fühle mich ein bisschen wie beim Auszug aus der Stephanuskirche für die Zeit des Umbaus und Neubaus“, ging der Pfarrer auf das große Bauprojekt ein. Über die vielen Jahre habe man hier „mit wunderbaren Menschen aller Couleur geschwiegen und getanzt mit feiner und toller Musik von euch. Ihr habt diesen Raum und die Herzen und Seelen zum Klingen gebracht.“
Miriam Haseleu, Pfarrerin in Nippes, übernahm als stellvertretende Vorsitzende im Bevollmächtigtenausschuss der Kreissynode den offizielle Akt der Verabschiedung. In ihrer Einleitung bezog sie sich immer wieder auf Gespräche mit Rescheleit und ein zentrales Wort im Johannesevangelium: „Viele Wohnungen gibt es in Gottes Haus.“

„Vieles hat sich hier verändert und ist neu geworden während deiner Zeit“, stellte Haseleu fest. „Wie das so ist, werden Wohnungen immer mal wieder renoviert, manchmal ganz neu gebaut, saniert.“ Rescheleit habe mit vielen Baustellen zu tun gehabt, im übertragenen und im wörtlichen Sinne. „Manchmal gehörte der Bauhelm zu deiner Dienstkleidung.“ Durch die Fusion von Niehl und Riehl sei eine neue, vergrößerte gemeindliche Wohnung entstanden. Gott verknüpfe hier Menschen aller Generationen. „Gott hat euch gestärkt im Eintreten für Flüchtlinge hier am Runden Tisch in Riehl, im Kirchenasyl, beim Aushalten und Begleiten und beim Abschneiden alter Zöpfe“, fasste Haseleu zusammen. „Dank gilt dir für all das, was du auf den Weg gebracht hast“, würdigte Haseleu sein Wirken, seine Kreativität, musikalische Intuition, Begabungen und sein Aushalten. „Du bleibst Niehl-Riehl und den Menschen hier verbunden, wenn du in eine andere Wohnung ziehst.“
Für das Presbyterium blickte Ute Pollmann-Spürck auf das Wirken des Pfarrers zurück. Als man sich 2003 in der misslichen Lage befunden habe, plötzlich und womöglich für lange Zeit ohne pfarramtliche Versorgung dazustehen, habe der Kreissynodalvorstand eine Presbyteriumssitzung besucht und Rescheleit mit den Worten „das isser“ präsentiert. „Das war der Beginn einer langen, fruchtbaren Zusammenarbeit.“
Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich
Der Beitrag Abschied nach 23 Jahren: Pfarrer Uwe Rescheleit in der Stephanuskirche in Köln-Riehl entpflichtet erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.
