Du betrachtest gerade AntoniterCityKirche ist seit zehn Jahren Nagelkreuzzentrum

Vor zehn Jahren wurde der AntoniterCityKirche in der Kölner Schildergasse der Status eines Nagelkreuzzentrums verliehen. Mit der Übergabe einer Nagelkreuz-Replik durch John Stroyan, Bischof von Warwick, an Citykirchenpfarrer Markus Herzberg wurde das Gotteshaus der Evangelischen Gemeinde Köln nicht nur in die Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e.V. aufgenommen. Seitdem ist die Kirche ebenso Mitglied der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft. Diese setzt sich zentral ein für Frieden und Versöhnung.

Februar 2016: Pfarrer Oliver Schuegraf,  Vorsitzender der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e. V., Bischof John Stroyan und Citykirchenpfarrer Markus Herzberg.
Februar 2016: Pfarrer Oliver Schuegraf,  Vorsitzender der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e. V., Bischof John Stroyan und Citykirchenpfarrer Markus Herzberg.

Ihren Ursprung hat diese internationale Gemeinschaft im britischen Coventry. Dort verloren im November 1940 bei einem elfstündigen deutschen Luftangriff 500 Menschen ihr Leben. Die Stadt wurde weitgehend zerstört. An Weihnachten 1940 appellierte Dompropst Richard Howard in einer Rundfunkübertragung aus der Ruine der Kathedrale St. Michael an seine Landsleute, nicht auf Rache zu sinnen, sondern Versöhnung zu leben. Als Symbol der Versöhnung und Zeichen dieser Verpflichtung dient das Nagelkreuz. Die ersten Exemplare wurden jeweils aus drei Zimmermannsnägeln aus den Dachbalken der verbrannten mittelalterlichen Kathedrale gebildet und an zahlreiche im Krieg zerstörte Städte übergeben. Seit vielen Jahren schon werden Repliken der originalen Nägel verwendet.

Wir sprachen mit Citykirchenpfarrer Markus Herzberg:

Können Sie bitte schildern, weshalb die AntoniterCityKirche damals in die Nagelkreuzgemeinschaft aufgenommen worden ist?

Markus Herzberg: Die Aufnahme in die Internationale Nagelkreuzgemeinschaft erfolgt durch ein klares Bekenntnis zu Frieden und Versöhnung und der Bitte um die Aufnahme in die Gemeinschaft. Ich bin damals mit einer kleinen Abordnung der Gemeinde nach Coventry zur sogenannten „Pilgrimages“ gereist. Dort haben wir die Arbeit an der Antoniterkirche vorgestellt. Diese Veranstaltung findet jährlich in Coventry statt und ist ein großes Zusammentreffen derer, die schon Mitglied sind und die es noch werden wollen. Das Ziel der Mitgliedschaft ist es unter anderem Versöhnung zu fördern, historische Wunden zu heilen, Vielfalt zu leben und an einer Kultur des Friedens mitzuwirken. Insbesondere hatten wir dort auch unsere Arbeit mit queeren Menschen vorgestellt, die auch heute noch eine Arbeit für gesellschaftliche Vielfalt und Versöhnung bildet.

Februar 2016: Citykirchenpfarrer Markus Herzberg hat gerade das Nagelkreuz in der Nische platziert.
Februar 2016: Citykirchenpfarrer Markus Herzberg hat gerade das Nagelkreuz in der Nische platziert.

Was macht es mit einer Gemeinde, Bestandteil der von Coventry ausgegangenen Versöhnungsbewegung zu sein?

Markus Herzberg: Ich habe damals schon betont, dass dieses Kreuz keine Verleihung eines Ordens, also keine Auszeichnung ist, sondern eine Verpflichtung. Ein Symbol, das uns daran erinnert, Teil einer großen weltweiten Gemeinschaft zu sein und sich gleichzeitig vor Ort durch das eigene Handeln für den Prozess der Verständigung und des Miteinanders einzusetzen. Das wurde schon bei unserer Reise nach Coventry deutlich, denn dort waren viele Menschen aus allen Teilen der Erde, die ebenfalls Mitglied der Gemeinschaft werden wollten. So lernte ich sofort eine Pfarrerin aus Südafrika kennen und es fand ein herzlicher Austausch statt.

Welche Verpflichtungen waren und sind mit dem Erhalt eines Nagelkreuzes verbunden, und wie wird die Gemeinde diesen gerecht?

Markus Herzberg: An jedem Freitag wird in den 10-Minuten-Andachten die Versöhnungslitanei von Coventry gebetet. Dies geschieht ebenfalls jeden Freitag zur Mittagszeit in der Ruine der Kathedrale von Coventry.

Wie wird das Nagelkreuz seitdem in Gottesdiensten eingebunden?

Markus Herzberg: Zum einen wird es, wie bereits erwähnt, bei den Andachten mit eingebunden, aber auch schon mal zum anlassbezogenen Friedensgebet wird das Kreuz auf den Altar gestellt.

Das Nagelkreuz steht in einer Nische, unmittelbar benachbart dem hängenden Zweitguss des Güstrower Ehrenmals („Schwebender“) von Ernst Barlach …

Markus Herzberg: Barlachs Schwebender ist ein Mahnmal zum Ersten Weltkrieg. Barlach wollte mit diesem Kunstwerk keine Engführung auf die gefallenen Soldaten des Krieges, sondern ein Gedenken aller Opfer. Wir haben vor einigen Jahren deswegen die Gedenkplatte unter dem Schwebenden von 1939-1945 in 1933-1945 umgravieren lassen. Somit öffnet sich dieser Gedenkort allen Opfern von Hass und Diktatur. Aus diesem Gedenken heraus steht das Nagelkreuz dort in der Nähe zum Engel, um uns zu mahnen, nicht nur im Gedenken zu verharren, sondern uns aktiv im Hier und Jetzt der Versöhnung und des Friedens zu verpflichten: Sozusagen von dem Erlernten aus der Vergangenheit und Geschichte mutig in die Zukunft zu gehen.

Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich

Der Beitrag AntoniterCityKirche ist seit zehn Jahren Nagelkreuzzentrum erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.