An einem Talar fehlte es noch, daher trug Anna-Maari Tölle an diesem besonderen Tag, wie in ihrer Heimat Finnland üblich, Albe. Nach 13 Jahren als „Reisepfarrerin“, zuständig für die finnischsprachigen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, wurde die 42-jährige Mutter von zwei Kindern nun in der Stephanuskirche als Pfarrerin im Probedienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Niehl-Riehl eingeführt. „Besonders gerne habe ich in meiner bisherigen Arbeit kreative und musikalische Projekte mit dem Evangelium verbunden“, schrieb Anna-Maari Tölle, die in ihrer Freizeit gerne singt und Klavier spielt, in ihrem Vorstellungsartikel im Gemeindebrief. Die Evangelische Kirchengemeinde Niehl-Riehl darf sich also auf eine Pfarrerin mit vielen frischen Ideen freuen.
Der Einführungsgottesdienst war zugleich die „Premiere“ eines neuen, besonders auf Familien mit Kindern ausgerichteten Formats, und so kamen auch zunächst die Jüngsten zu ihrem Recht. Sie durften ganz vorne Platz nehmen und eine Überraschungskiste auspacken, in der sich ein Kreuz, Kerzen, Blumen sowie eine Kinderbibel befanden. Dazu lernten die Kinder ein Kerzenlied und bauten, unterstützt von passenden Handbewegungen, eine „Gebetskirche“.

An die Erwachsenen gewandt, zitierte Anna-Maari Tölle die Jahreslosung aus Offenbarung 21: „Siehe, ich mache alles neu“ und stellte klar: „Auch Erwachsene dürfen träumen!“
Einen kleinen musikalischen Willkommensgruß gab es dann von Sara, einem Mädchen aus der Gemeinde. Sie spielte für Anna-Maari Tölle „Hallelujah“ von Leonard Cohen auf der Violine.
Im Fokus des Gottesdienstes stand die Begegnung des greisen Simeon mit dem neugeborenen Jesuskind, als Lesungstext und Grundlage der Predigt. Außerdem durften die Kinder ein Bild dieser biblischen Geschichte ausmalen.
Zunächst berichtete Tölle, dass am 2. Februar („Lichtmess“) in Finnland das „Kerzenfest“ gefeiert werde. Den 1. Februar habe sie ganz bewusst gewählt, denn der 1. Februar vor 17 Jahren war der Tag ihrer Ordination in Finnland.
Simeon wartete darauf, dass Gott seine Versprechen erfüllte, machte Anna-Maari Tölle deutlich, und er erkannte, dass die Verheißung erfüllt war, als er das besondere Kind in seinen Armen hielt. Statt Abschiedsschmerz sei da der Frieden eines erfüllten Lebens gewesen: „Sein Herz war ruhiger und fröhlicher als je zuvor.“ „Durch Jesus haben wir das hellste Licht, das es überhaupt gibt, und dieses Licht wird nie ausgehen!“

Dann richtete sie sich an die anwesenden Eltern und beschrieb, wie bei der Taufe mehrere Generationen vereint sind im Vertrauen auf Gottes Wirken, in der Hoffnung darauf, dass Gott seine Versprechen hält und seine Geschichte fortschreibt. „Solche Momente sind kostbar und zeitlos“, sagte Tölle, „die Begegnung von Alt und Jung ist kostbar.“
Dann durften auch die Erwachsenen aktiv werden und auf Zettel ihre Antwort auf die Frage schreiben: „Was macht dir Hoffnung für die Zukunft?“ Diese ganz persönlichen Hoffnungsbringer wurden dann an einer Tafel gesammelt und vorgelesen. Liebe und Gemeinschaft machen vielen Gottesdienstbesuchenden Hoffnung, aber auch die eigenen Kinder.
Da es bei einer Einführung in den Probedienst keine „offizielle“ Ansprache gibt, wurde ein Begrüßungsbrief von Presbyterin Barbara Schulte verlesen. „Wir hoffen auf mehr als das eine Jahr Probedienst“, hieß es darin.
Nach dem Gottesdienst waren alle Besuchenden zu einem kleinen Mittagessen im Gemeindesaal eingeladen – ein Angebot, dass es, in Verbindung mit dem neuen Gottesdienstformat, nun regelmäßig geben soll.
Text: Priska Mielke
Foto(s): Priska Mielke
Der Beitrag „Auch Erwachsene dürfen träumen!“: Ein herzliches Willkommen für Pfarrerin Anna-Maari Tölle erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.
