Du betrachtest gerade Erbe eines Dialogs – Wie eine Skulptur und ein Fest eine Gemeinde zusammenbringen
Das Kunstwerk „Der Dialog“ im „Garten Eden“ auf dem Vorplatz der Erlöserkirche in Weidenpesch.

Das Duo sieht sich zum Verwechseln ähnlich: Beide Metallstelen sind dreieckig. Im oberen Bereich klafft jeweils ein Spalt. Darunter steht ein herausgeschnittener Teil hervor, wie ein Kiefer unter einem offenen Mund. Mit den Öffnungen einander zugewandt scheinen die Artgenossen miteinander zu sprechen. Und so hat der Künstler Wolfgang Göddertz eindrucksvoll auf den Punkt gebracht, was sein Werk darstellt: den „Dialog“. Das Kunstwerk und seine Bedeutung standen im Mittelpunkt des Nachbarschaftsfests an der Erlöserkirche in Weidenpesch. An diesem Tag wurde es feierlich enthüllt. Die Gemeinde hat die Doppelskulptur des Kölner Metallkünstlers, der auch den Brunnen am Ebertplatz geschaffen hat, geerbt – nicht von ihm, denn er ist bereits vor zehn Jahren verstorben. Es handelt sich um ein Vermächtnis der früheren Presbyterin der Begegnungsgemeinde, Irmela Hilbig. Sie war eine Kollegin von Göddertz, der wie sie an einer Grundschule arbeitete. Hilbig hat das Kunstwerk des Kollegen erworben und für einen würdigen Platz nach ihrem Tod gesorgt.

Skulptur als Vermächtnis – eine Presbyterin erfüllt sich ihren letzten Wunsch

Pfarrerin Susanne Zimmermann erläuterte beim Gottesdienst die Bedeutung des Kunstwerks und des Dialogs im allgemeinen.

Pfarrerin Susanne Zimmermann erzählte vor der Enthüllung im Gottesdienst, welche Bedeutung das Werk für die ehemalige Presbyterin hatte. Neben Zimmermann stand eine kleinere Version der Skulptur auf dem Altar, die ihr die Pfarrerin bereits vor einiger Zeit geschenkt hatte. Sie hätte mit den Figuren gespielt, erzählte Zimmermann, sie regelmäßig verstellt, entweder einander zu- oder abgewandt, so dass ihr Mann sehen konnte, wie es gerade um ihre Beziehung bestellt war – und darauf reagierte. Ein wortloser Dialog. Hilbig habe sich in ihrem Testament ausdrücklich gewünscht, dass der große Dialog auf dem Kirchenvorplatz ein neues Zuhause findet, erzählte Zimmermann, am liebsten im gemeindeeigenen „Garten Eden“, der von der „Beet-AG“ liebevoll angelegt wurde und gepflegt wird. Dort steht er nun neben dem „Baum der Erkenntnis“, einem Zierapfelbaum, und hinter einer wuchernden Pflanzenlandschaft.

„Bleibt im Gespräch“ – die Predigt als Plädoyer für das Miteinander

Die Pfarrerin findet den Ort mehr als passend, wie sie in ihrer Predigt erläuterte: „Am Anfang war das Wort, der Dialog, das Miteinander.“ So stehe es im Johannesevangelium, genauso wie das Versprechen: „Kommt doch rein, seht euch um, dann werdet ihr den Himmel offen sehen.“ Der Dialog, miteinander ins Gespräch zu kommen, sei das Wichtigste, eine Aufforderung, die auch Jesus den Menschen hinterlassen habe: „Bleibt im Gespräch!“ Auch er habe erst im Dialog mit den anderen erkannt, wer er selbst ist, was er ihnen mitgeben möchte. „Und das wünsche ich mir auch für das Nachbarschaftsfest“, betonte Zimmermann. Die Menschen, die sich dort kennenlernten oder wiedersähen, sollten etwas davon spüren, was sie sich wechselseitig geben könnten. „Als wir diese Kirche gebaut haben, haben wir überlegt, wie sie auch ein Ort sein kann, an dem man in Dialog tritt.“ Und so stehe das Kunstwerk an der richtigen Stelle. Für den Dialog hat die Gemeinde nun auch die „Begegnungsbank“, in zweifacher Ausführung. Sie stand ebenfalls im Kirchenraum, denn Pfarrerin Johanna Menzemer demonstrierte, wie Menschen dort ins Gespräch kommen, selbst wenn ihnen nichts einfällt. Dafür liegen an der Bank Fragekarten bereit. Und so rief Menzemer verschiedene Gemeindemitglieder auf die Bank, denen sie Fragen stellte, beispielsweise Presbyterin Monika Lange: „Was wünscht du dir für die Gemeinde?“, wollte sie wissen. „Mehr junge Menschen und, dass sie auch mehr mitentscheiden können“, so Langes Antwort.

Das kleine „Wir“ – eine Geschichte über Streit, Versöhnung und Zusammenhalt

Beim Gottesdienst in der Erlöserkirche führten Kinder einen Tanz auf.

Bei diesem Familiengottesdienst waren jedenfalls zahlreiche Kinder anwesend, führten einen Tanz zum Thema „Miteinander“ auf und hörten eine passende Geschichte für Jung und Alt: Johanna Menzemer erzählte von dem „kleinen Wir“. Ein drolliges grünes Lebewesen war dazu auf die Leinwand hinter ihr zu sehen, außerdem ein Junge und ein Mädchen. Das „Wir“ verbinde die Kinder Ben und Emma auf wundervolle Weise, schilderte Menzemer. „Es lässt sie aneinander denken und mit dem Wir verstehen die beiden sich ohne Worte.“ Es mache sie mutiger und lasse sie große Hürden leichter überwinden. Wenn aber Ben und Emma streiten, fühle das Wir sich ganz schwach, würde immer kleiner und kleiner, bis es ganz verschwunden sei. Ohne das Wir sei die Welt für Ben und Emma aber trist. Es fehle ihnen sehr. Nur, wenn sie gemeinsam danach suchten, würden sie es jedoch wiederfinden, winzig klein, in ihren Herzen. Dann müssten sie es wieder gesundpflegen mit einer Portion „Es tut mir leid“, einer Prise „Ich verzeihe dir“, paniert mit einem Hauch „Ich mag dich“.

Text: Susanne Esch
Foto(s): Susanne Esch

Der Beitrag Erbe eines Dialogs – Wie eine Skulptur und ein Fest eine Gemeinde zusammenbringen erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.