
„Volberg“ hieß der kleine Ort im sumpfigen Sülztal bei Rösrath schon im Mittelalter. Genauso alt sind die Pläne, das Schwemmland trockenzulegen, Deiche zu errichten und das Flüsschen Sülz zu zähmen. Vergeblich! „Bis unter das Dach des Kindergartens stand das Wasser!“, erinnert sich Monika Mattern-Klosson, die Presbyteriums-Vorsitzende der ev. Kirchengemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath, an die große Flut im Sommer 2021. Da war nichts mehr zu retten, das Kita-Gebäude musste abgerissen werden. An derselben Stelle neu bauen? Ja, das geht! Wenn man den Bau auf Stelzen stellt und die einzige Tür nach draußen so dicht hält wie eine U-Boot-Luke.
„Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein!“
Die Kinder aus der Sterne-Gruppe haben extra für die Einweihungsfeier ein Lied geprobt, das sie nun als Bauarbeiter verkleidet vortragen. „Wer will fleißige Handwerker sehen? Der muss zu uns Kindern gehen.“ Der große, helle Raum, den die Kinder sonst als Turnhalle nutzen, ist voller fremder Erwachsener, und alle halten Ansprachen. Aus Düsseldorf ist die Bauministerin gekommen, der Bürgermeister und lokale Politiker, Vertreter der Diakonie Michaelshoven, von der Kirche Superintendent und Pfarrer, Architekten, Bausteuerer, Spendeneintreibende, Fördermittelbeantragende, großzügige Spender – mehr als zwanzig Personen!(*) So viele Gruppen, Institutionen, Planer und Praktiker müssen an einem Strang ziehen, um solch ein Projekt auf die Beine zu stellen. Jetzt strahlen sie alle um die Wette, während sie sich draußen zum Gruppenfoto aufstellen. Wer schafft es schon, einen Neubau innerhalb der vorgegebenen Zeit und des Kostenrahmens fertig zu bekommen? 7,5 Millionen Euro hatte die Landesregierung bewilligt, lässt Ministerin Ina Scharrenbach in ihre Lobesrede einfließen. Aber selbstverständlich ist die Gemeinde protestantisch-sparsam mit den Steuergeldern aus dem Fonds für Wiederaufbau umgegangen, sodass man tatsächlich 80.000 € zurücküberweisen kann.

Ein Vorzeigeprojekt
Von der Straßenseite fügt sich der schlichte Neubau gut ins historische Bild zwischen Kirchturm und Fachwerkhäusern. Genau hier stand das Gemeindehaus, das unbeschädigt geblieben war. Ja, es musste weichen, um Platz zu schaffen! Jetzt nutzt die Gemeinde abends den großen Mehrzweckraum, der tagsüber für die Kinder die Turnhalle ist. Klimaneutral und nachhaltig bauen bedeutet: Geheizt wird mit Erdwärme, die Bürgerenergiegenossenschaft hat eine Solaranlage aufs Dach gestellt, das eigentliche Haus ist in Holzbauweise errichtet. Aber der Kniff, der den Neubau resilient gegen Klimawandel, Starkregen und Flut macht, ist nur von der Hinterseite zu erkennen. Der größte Teil des Baus steht wie ein Tisch auf Beinen! 60 Pfähle wurden acht Meter tief in den Boden gebohrt, auf diesen Stützen ruht eine mehr als 500 qm große Betonplatte. Die drei Gruppenräume öffnen sich alle zur umlaufenden Veranda, und für die Kinder führt eine Rutsche nach unten. Die Stahltür ist eine Spezialanfertigung – sie hält auch große Wassermassen draußen. Bei Regen und auch bei extremer Hitze kann hier eine überdachte, schattige Außenspielfläche genutzt werden, die durch kleine Hügel und Täler interessanter wird. Die Tartanbeschichtung beugt aufgeschlagenen Knien vor. Besonders begeistert sind die Kinder von den grasgrünen, riesigen Beton-Buchstaben als Stützen. Manche können sie schon lesen: V – O – L – B – E – R – G steht da.

Text: Diana Zulfoghari
Foto(s): Diana Zulfoghari
Der Beitrag Nie wieder volllaufen! Auf Stelzen gegen die Flut – Rösraths neue Kita als Vorzeigeprojekt erschien zuerst auf Evangelischer Kirchenverband Köln und Region.
